Im Todesfall stehen Angehörige oft vor verschlossenen digitalen Türen: Online-Banking, E-Mail-Konten, Streaming-Abos, Verträge. Ohne Zugangsdaten bleibt vieles unzugänglich – und kostet Zeit, Nerven und Geld. Doch Passwörter einfach aufzuschreiben, ist gefährlich.
Warum der Zettel in der Schublade keine Lösung ist
Ein Notizzettel mit Passwörtern ist gleich doppelt problematisch: Er ist unsicher, weil jeder ihn finden kann, und er ist schnell veraltet, weil Passwörter sich ändern. Wer Zugangsdaten verantwortungsvoll vererben will, braucht ein System, das aktuell und geschützt zugleich ist.
Welche Zugänge im Ernstfall wichtig sind
- Online-Banking und Zahlungsdienste (PayPal, Kreditkarten-Portale)
- E-Mail-Konten – oft der Generalschlüssel für Passwort-Resets
- Mobilfunk- und Internetverträge
- Versicherungs- und Behördenportale
- Soziale Netzwerke und Cloud-Speicher
- Krypto-Wallets und digitale Vermögenswerte
Die sichere Methode: verschlüsselter Passwort-Safe mit Notfallzugang
Ein verschlüsselter Passwort-Safe speichert all Ihre Zugangsdaten an einem geschützten Ort. Der entscheidende Baustein für den Nachlass ist ein kontrollierter Notfallzugang: Eine Vertrauensperson erhält erst dann Zugriff, wenn der Ernstfall eintritt – nicht vorher.
Das Master-Passwort als Dreh- und Angelpunkt
Bei jedem Passwort-System gilt: Das Master-Passwort ist der Generalschlüssel. Es sollte stark, einmalig und nirgends digital im Klartext gespeichert sein. Für den Nachlass empfiehlt es sich, das Master-Passwort getrennt zu hinterlegen – etwa in einem versiegelten Umschlag bei einer Vertrauensperson oder im Notfallzugang Ihres Tresors.
Der digitale Nachlass ist Teil des Erbes
Rechtlich gehen mit dem Tod alle Rechte und Pflichten – und damit auch der digitale Nachlass – auf die Erben über. Grundlage dafür ist der Grundsatz der Gesamtrechtsnachfolge nach § 1922 BGB. Der Bundesgerichtshof hat bereits klargestellt, dass auch Vertragskonten wie ein Social-Media-Konto in vollem Umfang auf die Erben übergehen (BGH, Urteil vom 12.07.2018, III ZR 183/17). Die Erben haben also grundsätzlich einen Anspruch auf Zugang – in der Praxis wird dieser jedoch erheblich erleichtert, wenn die Zugangsdaten geordnet vorliegen.
Regelmäßig aktualisieren
Ein Passwort-Safe nützt nur, wenn er gepflegt wird. Nehmen Sie sich zweimal im Jahr Zeit, neue Konten zu ergänzen und alte zu entfernen. So bleibt die Liste im Ernstfall wirklich brauchbar.
Was ist ein digitaler Nachlassverwalter?
Einige Menschen benennen eine konkrete Person als „digitalen Nachlassverwalter" – jemanden, der sich im Ernstfall um alle Online-Konten kümmert. Diese Person sollte technisch versiert sein und genau wissen, wo welche Zugänge hinterlegt sind. Halten Sie schriftlich fest, wer diese Aufgabe übernehmen soll, und stellen Sie sicher, dass diese Person im Ernstfall auch tatsächlich an die nötigen Informationen kommt. Ein digitaler Nachlassverwalter entlastet die übrigen Angehörigen erheblich.
Zwei-Faktor-Authentifizierung bedenken
Viele Konten sind heute zusätzlich durch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt – etwa durch einen Code, der an das Smartphone gesendet wird. Das erhöht die Sicherheit, kann aber im Erbfall zum Problem werden: Wenn niemand Zugriff auf das Smartphone oder die Authentifizierungs-App hat, bleiben selbst bei bekanntem Passwort viele Konten verschlossen. Denken Sie deshalb bei der Vorsorge auch an den Zugang zum zweiten Faktor und hinterlegen Sie entsprechende Hinweise.
Regelmäßig aktualisieren
Ein Passwort-Safe nützt nur, wenn er gepflegt wird. Nehmen Sie sich zweimal im Jahr Zeit, neue Konten zu ergänzen und alte zu entfernen. Passwörter ändern sich, neue Dienste kommen hinzu, alte werden gekündigt. Nur eine aktuelle Liste ist im Ernstfall wirklich brauchbar. Machen Sie die Pflege Ihres digitalen Nachlasses zur festen Gewohnheit, ähnlich wie das Aktualisieren wichtiger Dokumente.
Welche Zugänge im Ernstfall besonders wichtig sind
Nicht alle Konten sind gleich wichtig. Im Ernstfall zählen vor allem jene, an denen Geld, Verträge oder rechtliche Verpflichtungen hängen. Dazu gehören Online-Banking und Zahlungsdienste wie PayPal, das zentrale E-Mail-Konto (das oft als Generalschlüssel für Passwort-Resets dient), laufende Mobilfunk- und Internetverträge, Versicherungs- und Behördenportale sowie Cloud-Speicher mit wichtigen Dokumenten. Wer diese Kernzugänge priorisiert dokumentiert, stellt sicher, dass die Angehörigen zuerst dort handlungsfähig sind, wo es wirklich darauf ankommt.
Das Master-Passwort als Dreh- und Angelpunkt
Bei jedem Passwort-System gilt: Das Master-Passwort ist der Generalschlüssel zu allem. Es sollte stark, einmalig und nirgends digital im Klartext gespeichert sein. Für den Nachlass empfiehlt es sich, das Master-Passwort getrennt von der übrigen Dokumentation zu hinterlegen – etwa in einem versiegelten Umschlag bei einer Vertrauensperson, in einem Bankschließfach oder im kontrollierten Notfallzugang eines digitalen Tresors. So bleibt es zu Lebzeiten geschützt und wird erst im Ernstfall zugänglich.
Digitale Vorsorge ist heute genauso wichtig wie das Testament. Wer seine Passwörter geordnet vererbt, erspart der Familie ein zermürbendes Rätselraten in einer ohnehin schweren Zeit. Wenn Sie Ihren digitalen Nachlass jetzt ordnen möchten, können Sie mit dem Notfalltresor Ihre Zugangsdaten geschützt hinterlegen – und im selben Zug eine Vorsorgevollmacht online ohne Notar erstellen, damit Ihre Vertrauensperson auch zu Lebzeiten handlungsfähig ist.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Quellen & weiterführende Links
- BSI – Sichere Passwörter erstellen
- Verbraucherzentrale – Digitaler Nachlass
- BGH, Urteil vom 12.07.2018, III ZR 183/17 – zum digitalen Nachlass