🤝

Pflegefall: Wie Sie für den Ernstfall richtig vorsorgen

Ein Pflegefall lässt sich nicht planen, die Vorsorge dafür schon. Wer drei Fragen vorher klärt – wer entscheiden darf, welche Wünsche gelten und wie die Pflege bezahlt wird –, verschafft sich und seiner Familie Zeit und Handlungsspielraum. Dieser Ratgeber ordnet die Schritte und nennt die Beträge und Fristen nach geltendem Recht.

Stand: 22. Oktober 2026

Die rechtliche Vorsorge zuerst

Im Pflegefall müssen oft schnell Entscheidungen über Behandlung, Wohnform und Finanzen getroffen werden. Ohne Vorsorgevollmacht darf das grundsätzlich niemand für den Betroffenen. Auch der Ehepartner kann ihn nur in engen Grenzen vertreten: Das Notvertretungsrecht nach § 1358 BGB gilt allein für Gesundheitsangelegenheiten und höchstens sechs Monate. Fehlt eine Vollmacht, bestellt das Betreuungsgericht bei Bedarf einen rechtlichen Betreuer (§ 1814 BGB). Wen es auswählt, können Sie vorab in einer Betreuungsverfügung festlegen; einem solchen Wunsch muss das Gericht grundsätzlich folgen (§ 1816 Abs. 2 BGB).

Für den Pflegefall sollte die Vollmacht ausdrücklich auch Gesundheit und Aufenthalt umfassen. Für die Einwilligung in ärztliche Maßnahmen, bei denen Lebensgefahr oder ein schwerer, länger dauernder Gesundheitsschaden droht, für die Ablehnung oder den Abbruch solcher Maßnahmen sowie für Unterbringung, freiheitsentziehende Maßnahmen und ärztliche Zwangsmaßnahmen muss sie schriftlich erteilt sein und diese Maßnahmen ausdrücklich nennen (§ 1820 Abs. 2 BGB, § 1829 BGB). Ergänzend legen Sie in einer schriftlichen Patientenverfügung fest, welche Behandlungen Sie in bestimmten Situationen wünschen oder ablehnen (§ 1827 BGB).

Kostenloses Werkzeug

Welcher Pflegegrad ist realistisch? Der Pflegegrad-Rechner geht die sechs Module der Begutachtung durch – mit Ergebnis nach heutigem Recht und im Vergleich zum Entwurf für 2027.

Pflegegrad berechnen – kostenlos ›

Wünsche zur Pflege festhalten

Möchten Sie zu Hause gepflegt werden oder in einer Einrichtung? Welche Einrichtung käme infrage? Solche Wünsche sollten Sie festhalten, solange Sie sie selbst äußern können – in einer Betreuungsverfügung und in Ihren Vorsorgeunterlagen. Ein Betreuer muss die Angelegenheiten so besorgen, dass Sie Ihr Leben im Rahmen Ihrer Möglichkeiten nach Ihren Wünschen gestalten können, und er muss diese Wünsche feststellen (§ 1821 Abs. 2 BGB). Schriftlich Festgehaltenes hilft ihm dabei.

  • Wohnform: zu Hause mit Unterstützung, betreutes Wohnen oder Pflegeheim
  • Bevorzugte Einrichtungen oder Pflegedienste, auch solche, die Sie ausschließen möchten
  • Wer aus der Familie welche Aufgaben übernehmen soll – und welche nicht
  • Alltag: Essen, Glauben, Tagesrhythmus, Haustiere, Kontakte, die Ihnen wichtig sind

Worauf Sie bei der Auswahl eines Heims achten können, fasst die Pflegeheim-Checkliste zusammen.

Was die Pflegeversicherung 2026 zahlt

Die Höhe der Leistungen richtet sich nach dem Pflegegrad. Er wird anhand von sechs Lebensbereichen ermittelt, zum Beispiel Mobilität und Selbstversorgung, und in Punkten von 0 bis 100 ausgedrückt (§ 15 SGB XI). Pflegebedürftig ist, wer voraussichtlich mindestens sechs Monate auf Hilfe angewiesen ist (§ 14 SGB XI).

Leistungen der Pflegeversicherung 2026, pro Monat
Pflegegrad (Punkte)PflegegeldPflegesachleistung bisPflegeheim (pauschal)
1 (12,5 bis unter 27)––131 Euro
2 (27 bis unter 47,5)347 Euro796 Euro805 Euro
3 (47,5 bis unter 70)599 Euro1.497 Euro1.319 Euro
4 (70 bis unter 90)800 Euro1.859 Euro1.855 Euro
5 (90 bis 100)990 Euro2.299 Euro2.096 Euro

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit, Leistungsansprüche der Versicherten im Jahr 2026 (PDF, Stand 04.11.2025); Punktwerte nach § 15 Abs. 3 SGB XI. Wer zu Hause gepflegt wird, hat in allen Pflegegraden zusätzlich Anspruch auf einen zweckgebundenen Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro im Monat (§ 45b SGB XI).

Wie viel Pflegegeld es im Einzelnen gibt und wie es sich mit der Sachleistung kombinieren lässt, erklärt der Beitrag Pflegegeld 2026.

Pflegeheim: Eigenanteil und wer ihn trägt

Im Pflegeheim zahlt die Pflegeversicherung einen festen Betrag; den Rest tragen die Bewohner selbst. Für den Eigenanteil an den pflegebedingten Kosten gibt es in den Pflegegraden 2 bis 5 einen Zuschlag, der mit der Aufenthaltsdauer steigt: 15 Prozent im ersten Jahr, 30 Prozent nach mehr als zwölf Monaten, 50 Prozent nach mehr als 24 und 75 Prozent nach mehr als 36 Monaten (§ 43c SGB XI).

Reichen Einkommen und Vermögen nicht, kommt die Sozialhilfe mit der Hilfe zur Pflege auf (§ 61 SGB XII). Kinder pflegebedürftiger Eltern werden dafür nur herangezogen, wenn ihr jährliches Gesamteinkommen mehr als 100.000 Euro beträgt; das Gesetz vermutet, dass diese Grenze nicht überschritten ist (§ 94 Abs. 1a SGB XII).

Welche Absicherungen es gibt

  • Gesetzliche Pflegeversicherung – die Basis; sie zahlt feste Beträge, nicht die vollen Kosten.
  • Private Pflegezusatzversicherung – sie kann die Lücke verkleinern. Für förderfähige Tarife gibt es eine staatliche Zulage von 5 Euro im Monat, wenn Sie mindestens 10 Euro monatlich einzahlen (§ 127 SGB XI).
  • Eigene Rücklagen – zum Beispiel für einen Umbau der Wohnung. Bei Pflegebedürftigen bezuschusst die Pflegekasse Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds mit bis zu 4.180 Euro je Maßnahme (BMG-Übersicht 2026).
  • Pflege durch Angehörige – unterstützt durch das Pflegegeld.

Pflegegrad beantragen: so läuft es

  1. Antrag bei der Pflegekasse stellen – sie sitzt bei der Krankenkasse. Leistungen gibt es ab Antragstellung; wird der Antrag erst in einem späteren Kalendermonat gestellt als dem, in dem die Pflegebedürftigkeit eingetreten ist, ab Beginn des Antragsmonats (§ 33 Abs. 1 SGB XI). Ein früher Antrag lohnt sich also.
  2. Pflegeberatung nutzen – Anspruch darauf besteht schon, wenn ein Antrag gestellt wurde und Beratungsbedarf erkennbar ist; die Kosten trägt die Pflegekasse (§ 7a SGB XI).
  3. Begutachtung vorbereiten – der Medizinische Dienst oder ein anderer unabhängiger Gutachter bewertet im Auftrag der Pflegekasse die Selbstständigkeit in den sechs Lebensbereichen (§ 18 SGB XI). Einen ersten Eindruck, welcher Grad infrage kommt, bekommen Sie, wenn Sie den Pflegegrad online berechnen.
  4. Bescheid abwarten – die Pflegekasse muss spätestens 25 Arbeitstage nach Eingang des Antrags schriftlich entscheiden. Hält sie die Frist nicht ein und hat sie die Verzögerung zu vertreten, zahlt sie 70 Euro für jede begonnene Woche; das gilt nicht für Antragsteller in vollstationärer Pflege, bei denen bereits mindestens Pflegegrad 2 festgestellt ist (§ 18c SGB XI).

Vom Antrag bis zur Begutachtung erklärt das unser Pflegegrad-Ratgeber Schritt für Schritt.

Wenn Angehörige pflegen: Freistellung im Beruf

  • Akute Pflegesituation: Beschäftigte dürfen bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernbleiben, um die Pflege eines nahen Angehörigen zu organisieren (§ 2 PflegeZG). Ob es dafür Pflegeunterstützungsgeld gibt, richtet sich nach § 44a Abs. 3 SGB XI.
  • Pflegezeit: vollständige oder teilweise Freistellung für die Pflege zu Hause, für jeden nahen Angehörigen längstens sechs Monate (§ 4 PflegeZG). Der Anspruch besteht nicht gegenüber Arbeitgebern mit in der Regel 15 oder weniger Beschäftigten (§ 3 PflegeZG).

Was für 2027 geplant ist

Die Bundesregierung will die Pflegeversicherung neu ordnen. Geplant laut Regierungsentwurf vom 30.09.2026 (Pflegeneuordnungsgesetz) sind unter anderem eine angepasste Begutachtung, damit die Pflegegrade 1 bis 3 zielgenauer vergeben werden, ein Bestandsschutz für alle, die schon einen Pflegegrad haben, höhere Beträge für Pflegegeld und ambulante Sachleistungen in den Pflegegraden 2 bis 5 und ab Pflegegrad 2 ein Sozialraumbudget anstelle des Entlastungsbetrags (Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums). Laut Artikel 11 des Regierungsentwurfs soll das Gesetz überwiegend am 1. Januar 2027 in Kraft treten, einzelne Teile 2028 und 2029. Beschlossen ist das noch nicht; der Entwurf muss erst das Gesetzgebungsverfahren in Bundestag und Bundesrat durchlaufen. Was das für die Einstufung bedeuten würde, steht im Beitrag Pflegegrad 2027. Für Ihre Vorsorge heute gilt das geltende Recht.

Der wichtigste Schritt bleibt die Vollmacht, denn sie entscheidet, wer im Pflegefall für Sie handeln darf. Sie können Ihre Vorsorgevollmacht online mit dem Assistenten erstellen.

Häufige Fragen

Ab wann zahlt die Pflegekasse?

Ab Antragstellung. Wird der Antrag erst in einem späteren Monat gestellt als die Pflegebedürftigkeit eingetreten ist, gibt es Leistungen ab Beginn des Antragsmonats (§ 33 Abs. 1 SGB XI).

Müssen Kinder für das Pflegeheim ihrer Eltern zahlen?

Nur, wenn ihr jährliches Gesamteinkommen mehr als 100.000 Euro beträgt. Das Gesetz vermutet, dass diese Grenze nicht überschritten ist (§ 94 Abs. 1a SGB XII).

Darf der Ehepartner im Pflegefall alles entscheiden?

Nein. Das Notvertretungsrecht unter Ehegatten gilt nur für Gesundheitsangelegenheiten und höchstens sechs Monate (§ 1358 BGB). Für Bank, Behörden und Wohnung braucht es eine Vorsorgevollmacht oder einen gerichtlich bestellten Betreuer.

Wie lange dauert die Entscheidung über den Pflegegrad?

Die Pflegekasse muss spätestens 25 Arbeitstage nach Eingang des Antrags entscheiden. Überschreitet sie die Frist aus Gründen, die sie zu vertreten hat, zahlt sie 70 Euro je begonnene Woche. Das gilt nicht für Antragsteller in vollstationärer Pflege, bei denen bereits mindestens Pflegegrad 2 festgestellt ist (§ 18c SGB XI).

Quellen & weiterführende Links

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Passend zum Thema

Der kostenlose Leitfaden für pflegende Angehörige

Erste Schritte, die Vollmacht für die gepflegte Person und Ihr Vertretungsplan – 14 Seiten mit Checkliste, direkt per E-Mail.

Gratis-Leitfaden anfordern →
Jetzt vorsorgen Keine Registrierung nötig

Ihre digitale Vorsorge an einem sicheren Ort

Kostenlos starten – keine Registrierung nötig. Ihre Daten bleiben dabei lokal auf Ihrem Gerät.

Notfalltresor erstellen → Vorsorgevollmacht erstellen → Kostenlos ausprobieren · ohne Registrierung
Weitere Ratgeber-Artikel