Die Bundesregierung plant eine Pflegereform zum 1. Januar 2027. Kern ist ein Umbau der Leistungen für die Pflege zu Hause in vier Budgets: Pflegegeld und Pflegesachleistung sollen künftig als Budget bemessen werden, der Gemeinsame Jahresbetrag und der Entlastungsbetrag durch ein Überbrückungs- und ein Sozialraumbudget ersetzt werden. Dieser Überblick zeigt, was der Entwurf vorsieht, was heute gilt und was Sie schon 2026 regeln können.
Regierungsentwurf beschlossen am 30.09.2026. Das Bundeskabinett hat den Regierungsentwurf zur Pflegereform am 30. September 2026 beschlossen. Als Nächstes beraten Bundestag und Bundesrat darüber. Als Gesetz beschlossen ist damit noch nichts: Bis ein Gesetz verabschiedet ist, gilt das heutige Recht. Quelle: Bundesgesundheitsministerium.
Pflegereform 2027: Das ist geplant im Überblick
Die Angaben beruhen auf dem Regierungsentwurf, den das Bundeskabinett am 30. September 2026 beschlossen hat. Kernstück ist die Neuordnung der Leistungen für die Pflege zu Hause in vier Budgets. Dazu kommen neue Punkteschwellen für die Pflegegrade und Änderungen bei der Begutachtung. Alle Beträge für 2027 in diesem Artikel stammen aus dem Entwurf.
Wichtig für Ihre Planung: Bis ein Gesetz verabschiedet ist und in Kraft tritt, gilt das heutige Recht. Pflegegeld, Pflegesachleistung, Gemeinsamer Jahresbetrag und Entlastungsbetrag laufen bis dahin wie gewohnt weiter.
Welcher Pflegegrad ist realistisch? Der Pflegegrad-Rechner geht die sechs Module der Begutachtung durch – mit Ergebnis nach heutigem Recht und im Vergleich zum Entwurf für 2027.
Pflegegrad berechnen – kostenlos ›Die vier Budgets laut Entwurf
Für die Pflege zu Hause sieht der Entwurf ab Pflegegrad 2 vier Budgets vor. Pflegegeld und Pflegesachleistung bleiben erhalten und werden als Budget bemessen; der Gemeinsame Jahresbetrag und der Entlastungsbetrag sollen ersetzt werden:
| Budget | bisher | PG 2 | PG 3 | PG 4 | PG 5 |
|---|---|---|---|---|---|
| Pflegegeld im Umfang des Entlastungsbudgets, pro Monat | Pflegegeld | 380 € | 630 € | 890 € | 1.080 € |
| Sachleistungsbudget pro Monat, bis | Pflegesachleistung | 890 € | 1.590 € | 2.090 € | 2.530 € |
| Überbrückungsbudget pro Jahr, bis | Gemeinsamer Jahresbetrag | 2.285 € | 2.285 € | 2.285 € | 2.285 € |
| Sozialraumbudget pro Monat, bis | Entlastungsbetrag | 175 € | 175 € | 175 € | 175 € |
Quelle: Bundesgesundheitsministerium, Regierungsentwurf vom 30. September 2026. Die Beträge können sich im Gesetzgebungsverfahren noch ändern.
- Pflegegeld (Entlastungsbudget): Das Pflegegeld bleibt; seine Höhe richtet sich laut Entwurf nach einem Entlastungsbudget von 380 Euro bei Pflegegrad 2 bis 1.080 Euro bei Pflegegrad 5 im Monat. Es steht Pflegebedürftigen zu, die ihre Versorgung zu Hause selbst organisieren, meist mit Angehörigen. Laut Begründung soll der höhere Betrag auch die Ersatzpflege bei geplanter Abwesenheit der Pflegeperson und die Verbrauchs-Pflegehilfsmittel abdecken. Mit dem heutigen Entlastungsbetrag hat das Entlastungsbudget nur den ähnlichen Namen gemeinsam.
- Sachleistungsbudget: Die Pflegesachleistung bleibt; ihr Umfang richtet sich laut Entwurf nach einem Sachleistungsbudget. Damit wird ein ambulanter Pflegedienst bezahlt.
- Überbrückungsbudget: Es ersetzt den Gemeinsamen Jahresbetrag und ist für Kurzzeitpflege und akute Situationen gedacht, etwa wenn die Pflegeperson plötzlich ausfällt. Die Verhinderungspflege gäbe es dann nicht mehr als eigene Leistung; Ersatzpflege zu Hause liefe über die übrigen Budgets. Einzelheiten stehen im Beitrag zur Verhinderungspflege 2027.
- Sozialraumbudget: Es löst bei den Pflegegraden 2 bis 5 den Entlastungsbetrag ab: bis zu 175 Euro im Monat, für Pflegebedürftige unter 25 Jahren bis zu 300 Euro. Es gälte nur bei häuslicher Pflege und nur für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag. Was das für den heutigen Entlastungsbetrag heißt, erklärt der Beitrag zum Entlastungsbetrag 2027.
Was für Pflegegrad 1 geplant ist
Bei Pflegegrad 1 soll der Entlastungsbetrag ab dem 1. Januar 2027 entfallen. Vorgesehen sind 2027 und 2028 Pflegeberatung und Beratungsbesuche, ab 2029 eine neue Pflegebegleitung. Ist schon heute mehr Hilfe nötig, lohnt ein Blick darauf, ob ein höherer Pflegegrad in Frage kommt: Das zeigt unser Pflegegrad-Rechner.
Rente für pflegende Angehörige
Wer einen Menschen mit mindestens Pflegegrad 2 nicht erwerbsmäßig mindestens zehn Stunden pro Woche pflegt, verteilt auf regelmäßig mindestens zwei Tage, und daneben höchstens 30 Stunden pro Woche erwerbstätig ist, erhält heute Rentenbeiträge von der Pflegekasse (§ 44 SGB XI). Die im Referentenentwurf vom 5. Juni 2026 vorgesehene Senkung dieser Rentenbeiträge auf 70 Prozent ist im Regierungsentwurf vom 30. September 2026 nicht mehr enthalten. Mehr dazu im Beitrag zu den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige.
Stand des Verfahrens: So geht es weiter
Das Bundesgesundheitsministerium hat den Entwurf am 5. Juni 2026 als Referentenentwurf vorgelegt. Am 30. September 2026 hat das Bundeskabinett den Regierungsentwurf beschlossen. Damit beginnt das parlamentarische Verfahren: Ein Regierungsentwurf geht zuerst an den Bundesrat, der dazu Stellung nehmen kann, danach berät und beschließt der Bundestag (Art. 76 Abs. 2 GG).
Nach dem Beschluss des Bundestages kann der Bundesrat den Vermittlungsausschuss anrufen, und zwar bei jedem Gesetz, nicht nur bei zustimmungsbedürftigen (Art. 77 Abs. 2 GG). Dadurch können sich Termine verschieben. Für Sie heißt das: Solange kein Gesetz verabschiedet, verkündet und in Kraft ist, gilt das heutige Recht, und bewilligte Leistungen laufen weiter.
Was die Reform für Ihre finanzielle Planung bedeutet
Ganz gleich, wie die Budgets am Ende ausgestaltet werden: Die Pflegeversicherung deckt in der Regel nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. Der Eigenanteil – insbesondere im Pflegeheim – bleibt oft erheblich. Für Ihre Planung heißt das:
- Verschaffen Sie sich einen realistischen Überblick über Einkommen, Vermögen und laufende Kosten der pflegebedürftigen Person.
- Bedenken Sie die mögliche Unterhaltspflicht von Kindern. Kinder werden für die Pflegekosten ihrer Eltern erst herangezogen, wenn ihr jährliches Gesamteinkommen mehr als 100.000 Euro beträgt (§ 94 Abs. 1a SGB XII).
- Klären Sie frühzeitig, wer im Ernstfall Bankgeschäfte und Zahlungen übernehmen darf – ohne Vollmacht geht das oft nicht.
Für Eheleute ist wichtig zu wissen: Seit 2023 gibt es das Ehegatten-Notvertretungsrecht nach § 1358 BGB. Es erlaubt Ehepartnern in bestimmten Gesundheitsangelegenheiten eine gegenseitige Vertretung – aber nur für maximal sechs Monate und nur im medizinischen Bereich. Für Bankgeschäfte, Verträge oder eine dauerhafte Vertretung reicht es nicht aus.
So sorgen Sie jetzt für den Pflegefall vor: Vollmacht & Dokumente
Unabhängig von der Reform gilt: Die wichtigste Vorsorge treffen Sie selbst, nicht der Gesetzgeber. Ohne rechtzeitige Vollmacht kann selbst der Ehepartner viele Angelegenheiten nicht regeln, und es kann ein gerichtliches Betreuungsverfahren (§§ 1814 ff. BGB) nötig werden.
Diese Dokumente sollten in keinem Haushalt fehlen:
- Vorsorgevollmacht: Sie bestimmt, wer Sie in finanziellen, rechtlichen und gesundheitlichen Fragen vertreten darf, wenn Sie es selbst nicht mehr können.
- Betreuungsverfügung: Sie legt fest, wen das Gericht als Betreuer bestellen soll, falls doch eine Betreuung nötig wird.
- Patientenverfügung nach § 1827 BGB: Sie regelt, welche medizinischen Maßnahmen Sie wünschen oder ablehnen.
- Bankvollmacht: Viele Kreditinstitute verlangen zusätzlich eine bankeigene Vollmacht.
Bewahren Sie diese Unterlagen so auf, dass Ihre Vertrauensperson sie im Ernstfall schnell findet – ein geordneter Notfallordner erspart der Familie in einer belastenden Situation viel Suche.
Checkliste: Diese Schritte sollten Sie 2026 angehen
- Nutzen Sie 2026 die Leistungen, die Ihnen heute zustehen, etwa den Gemeinsamen Jahresbetrag für Auszeiten und den Entlastungsbetrag für anerkannte Angebote.
- Wer Leistungen der Pflegeversicherung erhält, hat Anspruch auf Pflegeberatung; die Kosten trägt die Pflegekasse (§ 7a SGB XI).
- Lassen Sie sich bei einem Pflegestützpunkt unabhängig und kostenlos beraten.
- Hat Ihr Angehöriger noch keinen Pflegegrad, schätzen Sie vorab ein, welcher Pflegegrad realistisch ist, und lesen Sie in unserem Ratgeber nach, wie Sie den Pflegegrad beantragen.
- Klären Sie mit der Pflegekasse, ob für Ihre Pflegetätigkeit Rentenbeiträge gezahlt werden.
- Erstellen oder aktualisieren Sie Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung.
- Klären Sie die Bankvollmacht bei allen relevanten Kreditinstituten.
- Erfassen Sie Einkommen, Vermögen und laufende Kosten für eine realistische Finanzplanung.
- Legen Sie alle wichtigen Dokumente an einem zentralen, auffindbaren Ort ab.
Wenn Sie als Ehepaar vorsorgen möchten, hilft Ihnen der kostenlose Leitfaden für Eheleute dabei, keine wichtige Regelung zu übersehen. Und weil ohne gültige Vollmacht selbst der Ehepartner an Grenzen stößt, können Sie eine Vorsorgevollmacht online ohne Notar erstellen.
Häufige Fragen zur Pflegereform 2027
Muss ich als pflegender Angehöriger jetzt sofort etwas tun?
Solange das Gesetz nicht endgültig verabschiedet ist, müssen Sie an Ihren laufenden Leistungen nichts ändern. Sinnvoll ist es, sich über die geplanten Neuerungen zu informieren und Ihre Vorsorgedokumente auf den aktuellen Stand zu bringen.
Bleibt das Pflegegeld erhalten?
Ja. Bis ein Gesetz in Kraft ist, gibt es das Pflegegeld wie heute: 347 Euro bei Pflegegrad 2 bis 990 Euro bei Pflegegrad 5 im Monat. Laut Regierungsentwurf vom 30. September 2026 bleibt das Pflegegeld auch ab 2027 bestehen; seine Höhe richtet sich dann nach einem Entlastungsbudget von 380 Euro bei Pflegegrad 2 bis 1.080 Euro bei Pflegegrad 5 im Monat. Als Gesetz beschlossen ist das noch nicht.
Ersetzt das Ehegatten-Notvertretungsrecht eine Vorsorgevollmacht?
Nein. Das Notvertretungsrecht nach § 1358 BGB gilt nur für Gesundheitsangelegenheiten, ist zeitlich auf sechs Monate begrenzt und deckt keine Bank- oder Vermögensangelegenheiten ab. Eine umfassende Vorsorgevollmacht bleibt unverzichtbar.
Welche Rolle spielt der Bundesrat?
Der Bundesrat wirkt an jedem Bundesgesetz mit. Nach dem Beschluss des Bundestages kann er den Vermittlungsausschuss anrufen, der einen Kompromiss sucht (Art. 77 Abs. 2 GG). Das kann den Zeitplan verschieben. Bis ein Gesetz verabschiedet und in Kraft ist, gilt das heutige Recht.
Bleibt ein bewilligter Pflegegrad nach der Reform bestehen?
Laut Regierungsentwurf vom 30. September 2026 ja: Ein anerkannter Pflegegrad soll bis zur nächsten Begutachtung bestehen bleiben und nicht allein wegen der neuen Schwellen verloren gehen. Bessert sich der Gesundheitszustand tatsächlich, bleibt eine Herabstufung wie heute möglich. Als Gesetz beschlossen ist das noch nicht.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.