Sie pflegen einen Angehörigen und möchten wissen, was die geplante Pflegereform 2027 für Ihre eigene Rente bedeutet? Dieser Ratgeber erklärt, wie Pflegezeiten heute in der Rente zählen, was der Entwurf vorsieht und was Sie unabhängig davon jetzt sichern können.
Was der Entwurf für die Rente pflegender Angehöriger vorsieht
Der Referentenentwurf vom 5. Juni 2026 hatte vorgesehen, die Rentenbeiträge für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen ab 2027 auf 70 Prozent der bisherigen Werte zu senken. Im Regierungsentwurf, den das Bundeskabinett am 30. September 2026 beschlossen hat, ist diese Senkung nicht mehr enthalten; das hatte der Bundesgesundheitsminister am 23. September 2026 im Bundestag angekündigt. Als Gesetz beschlossen ist die Reform noch nicht; bis dahin gilt das heutige Recht.
Entscheidend für Sie ist deshalb vor allem, dass Ihre heutigen Ansprüche erfasst sind. Wie die Beiträge heute berechnet werden, lesen Sie im nächsten Abschnitt.
Welcher Pflegegrad ist realistisch? Der Pflegegrad-Rechner geht die sechs Module der Begutachtung durch – mit Ergebnis nach heutigem Recht und im Vergleich zum Entwurf für 2027.
Pflegegrad berechnen – kostenlos ›Wovon die Rentenbeiträge für Pflege abhängen
Die Beiträge zahlt die Pflegekasse an die gesetzliche Rentenversicherung (§ 44 SGB XI). Wie hoch sie sind, hängt vom Pflegegrad der gepflegten Person ab und davon, ob sie ausschließlich Pflegegeld, eine Kombination mit Sachleistungen oder ausschließlich Sachleistungen eines Pflegedienstes bezieht (§ 166 Abs. 2 SGB VI). Pflegen mehrere Personen gemeinsam, werden die Beiträge nach ihrem Anteil an der Pflege aufgeteilt.
2026 zahlt die Pflegekasse monatlich bis zu 198,62 Euro Rentenbeiträge bei Pflegegrad 2, bis zu 316,32 Euro bei Pflegegrad 3, bis zu 514,94 Euro bei Pflegegrad 4 und bis zu 735,63 Euro bei Pflegegrad 5. Die Höchstbeträge gelten, wenn die gepflegte Person ausschließlich Pflegegeld bezieht und eine Person allein pflegt.
Beispiel: Frau K., 58 Jahre
Frau K. pflegt ihre Mutter mit Pflegegrad 4 zu Hause, mehr als 20 Stunden pro Woche, und ist nicht erwerbstätig. Die Mutter bezieht ausschließlich Pflegegeld. Nach heutigem Recht zahlt die Pflegekasse für Frau K. Rentenbeiträge von bis zu 514,94 Euro im Monat; so baut sie auch ohne Job Rentenansprüche auf. Wichtig ist, dass die Pflegekasse von ihrer Pflegetätigkeit weiß und die Beiträge meldet.
Rentenpunkte für Pflege: So funktioniert die Anrechnung heute
Damit Pflegezeiten überhaupt rentenwirksam werden, müssen mehrere Voraussetzungen zusammenkommen:
- Die gepflegte Person hat mindestens Pflegegrad 2. Ab welcher Punktzahl welcher Pflegegrad gilt, zeigt der Pflegegrad-Rechner.
- Die Pflege erfolgt nicht erwerbsmäßig in häuslicher Umgebung.
- Der Pflegeaufwand beträgt mindestens zehn Stunden wöchentlich, verteilt auf regelmäßig mindestens zwei Tage.
- Die Pflegeperson arbeitet nicht mehr als 30 Stunden pro Woche in einem Job.
Sind diese Punkte erfüllt, zahlt die Pflegekasse die Rentenbeiträge. Wichtig: Die Anrechnung läuft nicht automatisch nur deshalb, weil Sie pflegen. Sie brauchen einen Fragebogen zur Feststellung der Beitragspflicht, den die Pflegekasse ausgibt. Ohne diese Meldung fließen keine Beiträge – und rückwirkend lässt sich das nur begrenzt korrigieren.
Prüfen Sie daher regelmäßig Ihren Rentenverlauf und fordern Sie bei der Deutschen Rentenversicherung eine aktuelle Renteninformation an. So erkennen Sie, ob Pflegezeiten tatsächlich verbucht sind.
Was Sie jetzt noch tun sollten, um Ansprüche zu sichern
Unabhängig davon, wie eine Reform am Ende ausfällt, gelten diese Schritte:
- Meldung sicherstellen: Lassen Sie sich von der Pflegekasse bestätigen, dass Rentenbeiträge für Ihre Pflegetätigkeit gezahlt werden.
- Pflegeumfang dokumentieren: Führen Sie ein einfaches Pflegetagebuch mit Datum, Dauer und Art der Tätigkeit. Das hilft bei Nachfragen und bei einer möglichen Höherstufung.
- Pflegegrad überprüfen: Hat sich der Zustand des Angehörigen verschlechtert, beantragen Sie eine Neubegutachtung – ein höherer Pflegegrad kann höhere Rentenbeiträge bedeuten.
- Renteninformation abgleichen: Kontrollieren Sie jährlich, ob die Pflegezeiten im Verlauf erscheinen.
- Freistellungsmöglichkeiten kennen: Pflegezeit und Familienpflegezeit können den Erhalt von Ansprüchen zusätzlich stützen.
Verlassen Sie sich nicht auf Schlagzeilen, sondern auf Ihren eigenen, dokumentierten Verlauf. Das ist der wirksamste Schutz vor stillen Verlusten.
Pflegegrad, Vollmacht & Vorsorge: Diese Dokumente gehören zusammen
Wer pflegt, sollte auch die rechtliche Seite ordnen. Denn Pflege bedeutet oft, dass Sie für den Angehörigen handeln müssen – bei der Bank, gegenüber der Pflegekasse oder im Krankenhaus.
- Vorsorgevollmacht: Sie ermöglicht Ihnen, den Angehörigen in Gesundheits-, Vermögens- und Behördenangelegenheiten zu vertreten – ohne gerichtliche Betreuung nach §§ 1814 ff. BGB.
- Betreuungsverfügung: Sie regelt, wen das Gericht als Betreuer bestellen soll, falls doch eine Betreuung nötig wird.
- Patientenverfügung: Nach § 1827 BGB legen Sie hier medizinische Behandlungswünsche fest.
Für Ehepaare gilt zudem das begrenzte Notvertretungsrecht nach § 1358 BGB: Ehegatten dürfen sich in akuten Gesundheitsangelegenheiten für bis zu sechs Monate gegenseitig vertreten. Das ersetzt aber keine umfassende Vollmacht – gerade in Vermögens- und Pflegefragen bleibt sie unverzichtbar.
Wenn Sie Ihre eigene Absicherung als Ehepaar strukturiert angehen möchten, hilft Ihnen unser kostenloser Leitfaden für Eheleute beim Sortieren der wichtigsten Dokumente. Und um im Pflegefall auch rechtlich handlungsfähig zu sein, können Sie eine Vorsorgevollmacht online ohne Notar erstellen.
Häufige Fragen
Bekomme ich als pflegender Angehöriger automatisch Rentenpunkte?
Nein. Die Beiträge fließen erst, wenn Pflegegrad, Mindeststundenzahl und die Meldung bei der Pflegekasse vorliegen. Ohne den ausgefüllten Fragebogen zur Beitragspflicht wird nichts verbucht.
Sinken die Rentenbeiträge für Pflegepersonen 2027?
Nach heutigem Recht nicht, und auch der Regierungsentwurf vom 30. September 2026 sieht die im Referentenentwurf geplante Senkung auf 70 Prozent nicht mehr vor. Als Gesetz beschlossen ist die Reform noch nicht.
Kann ich Pflegezeiten rückwirkend anrechnen lassen?
Nur eingeschränkt. Deshalb ist die zeitnahe Meldung so wichtig. Prüfen Sie Ihre Renteninformation und klären Sie Lücken frühzeitig mit der Deutschen Rentenversicherung.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.