Wird die Verhinderungspflege 2027 abgeschafft? Kurz gesagt: Nach heutigem Recht nicht; zusammen mit der Kurzzeitpflege stehen bis zu 3.539 Euro im Jahr zur Verfügung. Nach dem Regierungsentwurf, den das Bundeskabinett am 30. September 2026 beschlossen hat, soll sie ab 2027 als eigene Leistung entfallen. An die Stelle des Gemeinsamen Jahresbetrags träte ein Überbrückungsbudget für Kurzzeitpflege und akute Situationen: bis zu 2.285 Euro im Jahr, einheitlich für die Pflegegrade 2 bis 5. Als Gesetz beschlossen ist das noch nicht: Zuerst beraten Bundestag und Bundesrat; bis ein Gesetz verabschiedet ist, gilt das heutige Recht. Dieser Ratgeber ordnet ein, was heute gilt und was der Regierungsentwurf plant, und zeigt, wie Sie Ihre Ansprüche gut nutzen.
Regierungsentwurf beschlossen am 30.09.2026. Das Bundeskabinett hat den Regierungsentwurf zur Pflegereform am 30. September 2026 beschlossen. Als Nächstes beraten Bundestag und Bundesrat darüber. Als Gesetz beschlossen ist damit noch nichts: Bis ein Gesetz verabschiedet ist, gilt das heutige Recht. Quelle: Bundesgesundheitsministerium.
Was ist Verhinderungspflege und wer hat Anspruch?
Die Verhinderungspflege springt ein, wenn die private Pflegeperson vorübergehend ausfällt – etwa durch Urlaub, Krankheit oder einen dringenden Termin. Die Pflegekasse übernimmt in dieser Zeit die Kosten für eine Ersatzpflege, damit die Versorgung zu Hause weiterläuft.
Anspruch haben Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2, die zu Hause von einer Angehörigen oder einer anderen privaten Pflegeperson betreut werden. Eine bestimmte Pflegedauer vorab ist dafür nicht nötig: Die frühere Vorpflegezeit von sechs Monaten ist seit dem 1. Juli 2025 abgeschafft.
- Die Ersatzpflege kann durch einen ambulanten Pflegedienst, aber auch durch Nachbarn, Freunde oder entferntere Verwandte erbracht werden.
- Pro Kalenderjahr stehen seit dem 1. Juli 2025 bis zu 3.539 Euro als Gemeinsamer Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zur Verfügung (§ 42a SGB XI). Verhinderungspflege ist für bis zu acht Wochen im Kalenderjahr möglich; in dieser Zeit wird die Hälfte des bisherigen Pflegegelds weitergezahlt (§ 37 Abs. 2 SGB XI).
- Übernehmen nahe Angehörige die Ersatzpflege nicht erwerbsmäßig, zahlt die Pflegekasse bis zum Zweifachen des Pflegegelds: bis zu 694 Euro bei Pflegegrad 2, 1.198 Euro bei Pflegegrad 3, 1.600 Euro bei Pflegegrad 4 und 1.980 Euro bei Pflegegrad 5. Nachgewiesene Aufwendungen, etwa Fahrtkosten, kommen hinzu, insgesamt höchstens 3.539 Euro.
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Pflegegrad berechnen – kostenlos ›Verhinderungspflege 2027: Das plant die Pflegereform
Zuerst der heutige Stand: Die Zusammenlegung von Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege zu einem gemeinsamen Jahresbetrag ist keine Neuerung für 2027, sondern gilt bereits. Beschlossen wurde sie mit dem Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz; seit dem 1. Juli 2025 gibt es den Gemeinsamen Jahresbetrag von bis zu 3.539 Euro im Jahr (§ 42a SGB XI).
Für 2027 plant die Bundesregierung eine Pflegereform. Das Bundeskabinett hat den Regierungsentwurf am 30. September 2026 beschlossen; die Angaben beruhen auf diesem Entwurf. Ein Gesetz ist noch nicht verabschiedet; bis dahin gilt das heutige Recht. Laut Entwurf soll der Gemeinsame Jahresbetrag durch ein Überbrückungsbudget für Kurzzeitpflege und akute Situationen ersetzt werden: bis zu 2.285 Euro im Jahr, einheitlich für die Pflegegrade 2 bis 5. Die Verhinderungspflege würde dann nicht mehr als eigene Leistung bestehen. Ersatzpflege zu Hause, etwa während eines Urlaubs der Pflegeperson, soll laut Entwurf über die übrigen Leistungen bezahlt werden: das Pflegegeld, das laut Entwurf künftig „im Umfang eines Entlastungsbudgets“ gezahlt wird und dafür höher ausfällt als heute, die Sachleistung (Sachleistungsbudget) oder das Sozialraumbudget.
Zusammenlegung mit Kurzzeitpflege: Was der Gemeinsame Jahresbetrag bedeutet
Bis Ende Juni 2025 hatten Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege in der Regel getrennte Töpfe mit jeweils eigenen Höchstbeträgen und komplizierten Übertragungsregeln. Seit dem 1. Juli 2025 fasst der Gemeinsame Jahresbetrag beide Leistungen zusammen. Der Vorteil: Sie müssen nicht mehr penibel rechnen, welchen Anteil Sie aus welchem Topf verbrauchen.
Was sich vereinfacht
- Ein einheitliches Budget für stundenweise oder tageweise Ersatzpflege zu Hause und für die vollstationäre Kurzzeitpflege.
- Der Wegfall der bisherigen getrennten Anrechnungsregeln, die viele Angehörige verwirrt haben.
- Mehr Flexibilität, das Budget dort einzusetzen, wo es im Einzelfall am dringendsten gebraucht wird.
Worauf Sie achten sollten
Wird das gemeinsame Budget in einem Jahr für eine längere stationäre Kurzzeitpflege aufgebraucht, steht entsprechend weniger für die stundenweise Verhinderungspflege zur Verfügung – und umgekehrt. Eine vorausschauende Jahresplanung wird damit wichtiger.
Nicht genutzte Beträge: Was 2026 gilt
Der Gemeinsame Jahresbetrag steht je Kalenderjahr zur Verfügung (§ 42a SGB XI); eine Übertragung ins nächste Jahr sieht das Gesetz dafür nicht vor. Planen Sie Auszeiten und Kurzzeitpflege deshalb im laufenden Jahr. Anders ist es beim Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro im Monat: Was Sie in einem Kalenderjahr nicht verbrauchen, können Sie noch im ersten Halbjahr des Folgejahres nutzen (§ 45b Abs. 1 SGB XI).
So behalten Sie den Überblick: Fordern Sie bei Ihrer Pflegekasse eine Übersicht an, wie viel vom Jahresbetrag und vom Entlastungsbetrag noch offen ist, und reichen Sie Rechnungen zeitnah ein. Das hilft auch mit Blick auf die geplante Reform, denn nach dem Entwurf würde der Gemeinsame Jahresbetrag ab 2027 durch das Überbrückungsbudget ersetzt.
Wird die Leistung ersetzt oder gekürzt? Die Fakten
Eine häufige Frage lautet: „Fällt die Verhinderungspflege 2027 weg?“ Nach heute geltendem Recht nein: Der Anspruch nach § 39 SGB XI besteht weiter, und Sie können den Gemeinsamen Jahresbetrag wie gewohnt nutzen. Laut Regierungsentwurf soll die Verhinderungspflege ab 2027 als eigene Leistung entfallen; der Gemeinsame Jahresbetrag würde durch ein Überbrückungsbudget für Kurzzeitpflege und akute Situationen ersetzt, und Ersatzpflege zu Hause liefe über die übrigen neuen Budgets des Entwurfs. Ein Gesetz ist noch nicht verabschiedet; bis dahin gilt das heutige Recht.
Zu den Beträgen: Nach geltendem Recht bleibt der Gemeinsame Jahresbetrag auch 2027 bei bis zu 3.539 Euro. Die nächste gesetzliche Dynamisierung der Leistungsbeträge ist zum 1. Januar 2028 vorgesehen (§ 30 SGB XI). Für das Überbrückungsbudget nennt der Regierungsentwurf bis zu 2.285 Euro im Jahr, einheitlich für die Pflegegrade 2 bis 5. Welche Beträge tatsächlich gelten, steht erst mit dem verabschiedeten Gesetz fest. Verlässliche Auskunft zu den aktuell gültigen Beträgen gibt Ihnen Ihre Pflegekasse.
Wichtig zu wissen: Diese Leistungen der sozialen Pflegeversicherung sind im Elften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) geregelt. Die grundsätzliche Verhinderungspflege findet sich in § 39 SGB XI, die Kurzzeitpflege in § 42 SGB XI. Den Gemeinsamen Jahresbetrag für beide Leistungen regelt seit dem 1. Juli 2025 § 42a SGB XI.
Was pflegende Angehörige jetzt konkret tun sollten
Auch wenn die endgültigen Zahlen für 2027 noch offen sind, können Sie sich bereits gut vorbereiten:
- Auszeiten planen: Der Gemeinsame Jahresbetrag von bis zu 3.539 Euro gilt je Kalenderjahr. Wer Urlaub, Termine oder eine Kurzzeitpflege früh plant, kann ihn gezielt einsetzen. Eine Vorpflegezeit müssen Sie dafür nicht mehr nachweisen.
- Budget im Blick behalten: Prüfen Sie einmal jährlich, wie viel Sie aus dem gemeinsamen Topf bereits verbraucht haben.
- Belege sammeln: Rechnungen des Pflegedienstes und Nachweise über Aufwendungen der Ersatzperson (z. B. Fahrtkosten) sollten Sie aufbewahren.
- Vollmachten regeln: Wer für einen pflegebedürftigen Menschen Anträge stellt, braucht dafür eine gültige Vollmacht oder Betreuung. Ohne Vorsorgevollmacht dürfen selbst Ehepartner nicht automatisch alle rechtlichen Angelegenheiten regeln.
Gerade der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Zwar gibt es das eng begrenzte Notvertretungsrecht für Ehegatten in Gesundheitsangelegenheiten nach § 1358 BGB – dieses ersetzt aber keine umfassende Vorsorgevollmacht und deckt weder Behörden- noch Finanzangelegenheiten dauerhaft ab.
Verhinderungspflege beantragen: Schritt für Schritt
Der Antrag ist unkomplizierter, als viele denken. So gehen Sie vor:
- Schritt 1: Kontaktieren Sie die Pflegekasse des Pflegebedürftigen und fordern Sie das Formular zur Verhinderungspflege an – häufig auch online abrufbar.
- Schritt 2: Tragen Sie Zeitraum und Grund der Verhinderung ein sowie, wer die Ersatzpflege übernimmt (Pflegedienst oder Privatperson).
- Schritt 3: Reichen Sie den Antrag ein. Einen Antrag schon vor der Ersatzpflege braucht es nicht: Sie können die Kosten auch nachträglich einreichen, bis zum Ende des Kalenderjahres, das auf die Ersatzpflege folgt (§ 39 Abs. 1 SGB XI).
- Schritt 4: Legen Sie die Belege (Rechnung des Dienstes oder Aufwendungsnachweise der Privatperson) bei.
- Schritt 5: Nach Prüfung erstattet die Kasse die Kosten bis zur Höhe des verfügbaren Budgets.
Tipp: Eine vorherige Anzeige ist gesetzlich nicht nötig. Fragen Sie trotzdem kurz bei der Kasse nach, welche Nachweise sie braucht. Das erspart Rückfragen.
Verhinderungspflege setzt mindestens Pflegegrad 2 voraus: Ob Pflegegrad 2 erreichbar ist, zeigt vorab unser Rechner, und wie Sie den Antrag auf einen Pflegegrad stellen, erklärt unser Ratgeber.
Häufige Fragen
Wird die Verhinderungspflege 2027 abgeschafft?
Nach heute geltendem Recht nicht: Der Anspruch besteht weiter, gemeinsam mit der Kurzzeitpflege gibt es bis zu 3.539 Euro im Jahr. Ein Gesetz ist noch nicht verabschiedet; bis dahin gilt das heutige Recht. Die Angaben beruhen auf dem Regierungsentwurf, den das Bundeskabinett am 30. September 2026 beschlossen hat: Danach soll die Verhinderungspflege ab 2027 als eigene Leistung entfallen. Der Gemeinsame Jahresbetrag würde durch ein Überbrückungsbudget für Kurzzeitpflege und akute Situationen ersetzt, mit bis zu 2.285 Euro im Jahr, einheitlich für die Pflegegrade 2 bis 5. Ersatzpflege zu Hause liefe über die übrigen neuen Budgets des Entwurfs.
Können auch Angehörige die Ersatzpflege übernehmen?
Ja. Auch nahe Angehörige, Nachbarn oder Freunde können einspringen. Pflegen nahe Angehörige nicht erwerbsmäßig, zahlt die Pflegekasse bis zum Zweifachen des Pflegegelds, bei Pflegegrad 2 also bis zu 694 Euro. Nachgewiesene Aufwendungen kommen hinzu, insgesamt höchstens 3.539 Euro.
Ab welchem Pflegegrad besteht Anspruch?
Ein Anspruch auf Verhinderungspflege besteht ab Pflegegrad 2, sofern die häusliche Pflege durch eine private Pflegeperson erfolgt. Eine Vorpflegezeit ist seit dem 1. Juli 2025 nicht mehr erforderlich.
Kann ich nicht genutztes Geld aus der Verhinderungspflege ins nächste Jahr mitnehmen?
Nein. Der Gemeinsame Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege gilt je Kalenderjahr (§ 42a SGB XI). Nutzen Sie ihn deshalb im laufenden Jahr, etwa für geplante Auszeiten. Beim Entlastungsbetrag ist das anders: Nicht verbrauchte Beträge können Sie bis zum 30. Juni des Folgejahres einsetzen (§ 45b Abs. 1 SGB XI).
Wenn Sie einen Angehörigen pflegen, sollten Sie parallel die rechtliche Vertretung absichern: Mit einer Vorsorgevollmacht online ohne Notar erstellen stellen Sie sicher, dass Sie Anträge und Gesundheitsentscheidungen im Sinne des Pflegebedürftigen regeln dürfen. Alle wichtigen Unterlagen bewahren Sie griffbereit im Notfalltresor auf, damit im Ernstfall nichts fehlt.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 12. Oktober 2026.