Junge Familien sind mit dem Alltag ausgelastet – Vorsorge für den Ernstfall steht ganz unten auf der Liste. Doch gerade für Familien mit kleinen Kindern ist sie besonders wichtig: Es geht nicht nur um einen selbst, sondern um die Zukunft der Kinder.
Warum Vorsorge für Eltern unverzichtbar ist
Solange Kinder minderjährig sind, hängt ihre Versorgung vollständig an den Eltern. Fällt ein Elternteil oder beide aus, müssen rechtliche, finanzielle und organisatorische Fragen sofort geklärt sein. Ohne Vorsorge entscheiden Gerichte und Behörden – ohne Ihre Wünsche zu kennen.
Im Ernstfall hilft, was jemand bei Ihnen findet: Die Notfallkarte im Scheckkartenformat nennt Ihre Notfallkontakte und wo Ihre Vorsorge-Dokumente liegen – als PDF zum Ausdrucken.
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- Sorgerechtsverfügung – wer kümmert sich um die Kinder, wenn beide Eltern ausfallen? Sie benennen darin die gewünschte Person als Vormund (§ 1782 BGB).
- Vorsorgevollmacht – gegenseitige Bevollmächtigung der Partner
- Patientenverfügung – für medizinische Entscheidungen (§ 1827 BGB)
- Risikolebensversicherung – finanzielle Absicherung der Familie
- Testament – besonders wichtig bei unverheirateten Paaren
Kerndokument für Eltern: die Sorgerechtsverfügung
Für Eltern minderjähriger Kinder ist die Sorgerechtsverfügung das Kerndokument der Vorsorge. Darin bestimmen Sie, wer als Vormund für Ihre Kinder da sein soll, wenn sie nach dem Tod der Eltern einen Vormund brauchen. Das Gesetz sieht das ausdrücklich vor: Eltern können durch letztwillige Verfügung eine Person als Vormund benennen oder bestimmte Personen von der Vormundschaft ausschließen (§ 1782 BGB). Den Vormund bestellt dann das Familiengericht (§ 1773 BGB).
Weil die Benennung eine letztwillige Verfügung ist, gilt die Form eines Testaments. Ohne Notar heißt das: Sie schreiben den Text vollständig mit der Hand und unterschreiben ihn (§ 2247 BGB); Ort und Datum sollten dabeistehen. Ein am Computer geschriebenes und nur unterschriebenes Blatt erfüllt diese Form nicht. Alternativ nimmt ein Notar Ihre Verfügung als öffentliches Testament auf (§ 2232 BGB).
- Beide Eltern regeln es: Benennen kann, wem zur Zeit seines Todes die Sorge für die Person und das Vermögen des Kindes zusteht (§ 1782 Abs. 1 BGB). Am besten errichten deshalb beide Eltern eine Verfügung; Ehepaare können das auch gemeinsam in einem gemeinschaftlichen Testament tun (§ 2267 BGB). Widersprechen sich die Verfügungen, gilt die des zuletzt verstorbenen Elternteils (§ 1782 Abs. 2 BGB).
- Vorher fragen: Sprechen Sie mit der Person, die Sie benennen möchten. Ohne ihre Zustimmung darf das Familiengericht sie nur aus den im Gesetz genannten Gründen übergehen, etwa wenn ihre Bestellung dem Wohl des Kindes widerspräche, ein Kind ab 14 Jahren widerspricht oder sie sich nicht innerhalb von vier Wochen nach der Aufforderung des Gerichts zur Übernahme bereit erklärt (§ 1783 BGB).
- Ersatzperson nennen: Benennen Sie zusätzlich eine zweite Person für den Fall, dass Ihre erste Wahl verhindert ist.
- Auffindbar aufbewahren: Auf Ihren Wunsch nimmt das Amtsgericht ein eigenhändiges Testament in besondere amtliche Verwahrung (§ 2248 BGB). Notieren Sie zusätzlich, wo das Original liegt, etwa im Notfalltresor.
Der Sonderfall: unverheiratete Eltern
Unverheiratete Partner erben gesetzlich nichts voneinander. Stirbt ein Elternteil, erbt nach der gesetzlichen Erbfolge (§§ 1924 ff. BGB) das gemeinsame Kind – nicht der überlebende Partner. Ohne Testament kann das zu absurden Situationen führen, in denen der hinterbliebene Partner finanziell abgesichert werden muss, obwohl er den Alltag allein stemmt. Ein handschriftliches Testament können Sie eigenhändig verfassen (§ 2247 BGB); für unverheiratete Eltern ist es keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um den Partner abzusichern.
Finanzielle Absicherung realistisch berechnen
Überlegen Sie konkret: Wovon würde Ihre Familie leben, wenn Ihr Einkommen plötzlich wegfiele? Eine Risikolebensversicherung sollte die laufenden Kosten, die Kinderbetreuung und idealerweise die spätere Ausbildung der Kinder absichern. Die Versicherungssumme darf hier ruhig großzügig bemessen sein, denn der Beitrag für eine reine Risikoversicherung ist niedrig. Rechnen Sie lieber mit einem Puffer, damit die Familie im Ernstfall nicht zusätzlich unter finanziellem Druck steht.
Vorsorge gemeinsam und regelmäßig angehen
Vorsorge ist kein einmaliger Akt, sondern wächst mit der Familie. Mit jedem Kind, jedem Immobilienkauf und jeder größeren Veränderung sollten Sie Ihre Dokumente überprüfen und anpassen. Machen Sie es zur gemeinsamen Aufgabe beider Partner – nicht zur Sache von einem allein. So stellen Sie sicher, dass beide informiert sind und im Ernstfall wissen, wo welche Unterlagen liegen und was zu tun ist.
Vorsorge für die eigene Familie ist kein angenehmes Thema – aber eines der wichtigsten. Sichern Sie sich gegenseitig ab und erstellen Sie Ihre Vorsorgevollmacht online ohne Notar, damit im Ernstfall ein Partner für den anderen handeln kann. Alle Wünsche, Vollmachten und Kontakte bewahren Sie anschließend gebündelt im Notfalltresor auf – so ist Ihre Familie das Versprechen wert, dass Ihre Kinder auch dann geborgen sind, wenn das Unvorstellbare eintritt.
Quellen & weiterführende Links
- § 1782 BGB – Benennung des Vormunds
- Verbraucherzentrale – Risiko-Lebensversicherung: Schutz im Todesfall, abgerufen am 22.10.2026
- Stiftung Warentest – Risikolebensversicherung im Vergleich (17.01.2023), abgerufen am 22.10.2026