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Was passiert ohne Vollmacht – und warum selbst Ehepartner nicht automatisch entscheiden dürfen

Stellen Sie sich vor: Ihr Partner erleidet einen schweren Schlaganfall. Er liegt auf der Intensivstation und kann keine Entscheidungen mehr treffen. Sie wollen sofort helfen – Arztgespräche führen, Bankgeschäfte regeln, den Alltag organisieren. Doch ohne eine gültige Vollmacht sind Ihnen die Hände gebunden. Selbst als Ehepartner.

Der häufigste Irrtum in Deutschland

Viele Menschen glauben, dass Ehepartner automatisch füreinander entscheiden dürfen. Das stimmt so nicht. Das deutsche Recht kennt keine umfassende automatische „Ehegatten-Vollmacht". Seit 2023 gibt es lediglich ein begrenztes Notvertretungsrecht für Ehegatten in Gesundheitsangelegenheiten nach § 1358 BGB – dieses gilt aber nur für höchstens sechs Monate und nur in gesundheitlichen Fragen. Für Bankgeschäfte, Wohnungsangelegenheiten oder eine dauerhafte Vertretung reicht es nicht aus. Ohne schriftliche Vollmacht muss dann das Betreuungsgericht eingeschaltet werden – auch wenn Sie seit 30 Jahren verheiratet sind.

Das Betreuungsverfahren: teuer, langsam, fremdbestimmt

Das Gericht bestellt einen Betreuer nach den Regeln der §§ 1814 ff. BGB – das kann Wochen dauern. In dieser Zeit können Bankkonten oft nicht angetastet, Verträge nicht abgeschlossen und viele Entscheidungen für den Betroffenen nicht getroffen werden. Hinzu kommen die Kosten für einen Berufsbetreuer, die sich über die Zeit summieren können.

Was eine Vorsorgevollmacht regelt

Eine Vorsorgevollmacht bevollmächtigt eine Person Ihres Vertrauens, in genau den Bereichen zu handeln, die Sie festlegen. Das umfasst:

  • Gesundheitssorge und medizinische Entscheidungen
  • Vermögenssorge und Bankgeschäfte
  • Wohnungsangelegenheiten
  • Post und Behördenkontakte
  • Vertretung vor Gericht

Je konkreter die Vollmacht formuliert ist, desto weniger Spielraum für Missverständnisse.

Vorsorgevollmacht vs. Betreuungsverfügung – der Unterschied

Die Vorsorgevollmacht bevollmächtigt direkt eine Privatperson. Die Betreuungsverfügung hingegen enthält nur Wünsche für den Fall, dass ein Gericht trotzdem einen Betreuer bestellt. Beide Dokumente ergänzen sich – und beide sind im Vorsorge-Tresor enthalten.

Muss die Vollmacht notariell beglaubigt sein?

Für Grundstücksgeschäfte und Bankgeschäfte bei manchen Instituten ist eine notarielle Beurkundung oder Beglaubigung erforderlich. Für die meisten anderen Bereiche reicht eine handschriftlich unterschriebene Vollmacht. Möchten Sie auch die Gesundheitssorge und freiheitsentziehende Maßnahmen abdecken, sollten die entsprechenden Punkte ausdrücklich benannt sein (vgl. § 1820 BGB). Der Vorsorge-Tresor erstellt einen Vollmacht-Entwurf, den Sie anschließend bei Bedarf beim Notar beglaubigen lassen können.

Weiterführende Artikel: Patientenverfügung richtig erstellen · Testament ohne Notar · digitalen Vorsorge-Tresor kennenlernen

Eine Vorsorgevollmacht ist kein Dokument für das hohe Alter – sie ist ein Dokument für jeden, der eine Vertrauensperson hat. Solange Sie es noch selbst können, sollten Sie handeln: Sie können Ihre Vorsorgevollmacht online ohne Notar erstellen und sie zusammen mit Ihren übrigen Vorsorgedokumenten sicher im Notfalltresor hinterlegen. Im Ernstfall entscheidet dieses Dokument darüber, ob Ihre Familie handlungsfähig ist oder wochenlang auf eine Betreuerbestellung durch das Gericht wartet.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Quellen & weiterführende Links

  • Zentrales Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer
  • § 1358 BGB – Notvertretung von Ehegatten in Gesundheitsangelegenheiten
  • § 1814 BGB – Betreuungsrecht
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