Im Ernstfall zählt jede Stunde. Ob Unfall, plötzliche Erkrankung oder Tod – Ihre Angehörigen brauchen sofortigen Zugriff auf die richtigen Dokumente. Doch wo sind die? In welchem Ordner, in welcher Schublade, in welcher Cloud? Die meisten Familien wissen es nicht. Diese 5 Dokumente sind im Ernstfall unverzichtbar.
1. Die Vorsorgevollmacht
Das wichtigste Dokument überhaupt. Ohne Vorsorgevollmacht kann niemand ohne Weiteres in Ihrem Namen handeln – auch ein Ehepartner nur eingeschränkt und ein Kind gar nicht automatisch. Sie regelt, wer medizinische Entscheidungen treffen darf, wer Bankgeschäfte erledigen kann und wer Ihre Interessen gegenüber Behörden vertritt. Fehlt sie, muss das Betreuungsgericht eine rechtliche Betreuung einrichten (§§ 1814 ff. BGB). Seit 2023 gilt für Ehegatten in Gesundheitsangelegenheiten zudem ein begrenztes Notvertretungsrecht (§ 1358 BGB) – dieses ersetzt jedoch keine Vorsorgevollmacht.
2. Die Patientenverfügung
Die Patientenverfügung legt fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie im Falle der Bewusstlosigkeit oder Sterbephase wünschen oder ablehnen (§ 1827 BGB). Reanimation ja oder nein? Künstliche Ernährung? Intensivmedizin? Ohne dieses Dokument entscheiden Ärzte nach Leitlinien – nicht nach Ihren Wünschen.
3. Bankverbindungen & Versicherungsübersicht
Eine strukturierte Liste aller Konten (IBAN, Bank, Kontonummer) und Versicherungspolicen (Lebensversicherung, Sterbegeldversicherung, Haftpflicht). Erben müssen diese Informationen vorlegen, um Zugang zu erhalten. Ohne Liste beginnt eine mühsame Recherche – Banken sind nicht verpflichtet, aktiv nach Konten zu suchen.
4. Passwörter & digitale Zugänge
E-Mail, Online-Banking, wichtige Online-Dienste – eine strukturierte Passwortliste ist im digitalen Zeitalter unverzichtbar. Wichtig: Niemals im Klartext auf einem Post-it oder in einer unverschlüsselten Datei. Dass der digitale Nachlass wie das übrige Vermögen auf die Erben übergeht, hat der Bundesgerichtshof bestätigt (BGH, Urteil vom 12.07.2018, III ZR 183/17). Rechtlich bildet dies § 1922 BGB zur Gesamtrechtsnachfolge ab.
5. Bestattungswünsche & persönliche Verfügungen
Erd- oder Feuerbestattung? Welche Musik bei der Trauerfeier? Wer soll informiert werden? Diese Wünsche zu dokumentieren nimmt Ihren Angehörigen eine enorme Last ab – in der ohnehin schwersten Zeit müssen sie keine Entscheidungen treffen, die sie nicht kennen.
Fünf Dokumente – und doch haben die wenigsten alle fünf griffbereit. Wenn Sie den Anfang machen möchten, können Sie eine Vorsorgevollmacht online ohne Notar erstellen und Ihre Unterlagen anschließend zentral im Notfalltresor strukturieren und sicher verwahren – so kann Ihre Familie im Ernstfall handeln, statt zu suchen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Quellen & weiterführende Links
- Bundesnotarkammer: Vorsorgeregister
- BMJ: Vorsorgevollmacht & Patientenverfügung