Kryptowährungen sind ein Sonderfall im Erbrecht: Sie gehören rechtlich zum Nachlass wie jedes andere Vermögen – doch ohne den privaten Schlüssel kommt niemand daran. Schätzungen zufolge sind bereits Milliardenwerte für immer verloren, weil die Zugänge mit ihren Besitzern starben.
Das Grundproblem: kein Schlüssel, kein Zugriff
Bei Kryptowährungen gibt es keine Bank, die im Todesfall hilft. Wer den privaten Schlüssel (Private Key) oder die Wiederherstellungsphrase (Seed Phrase) nicht hat, kommt an die Coins nicht heran – egal welche Erbpapiere er vorlegt. Der Zugang ist die Währung. Rechtlich geht das Krypto-Vermögen zwar mit dem Erbfall auf die Erben über (§ 1922 BGB, Gesamtrechtsnachfolge), praktisch nützt das ohne Schlüssel jedoch nichts.
Hot Wallet, Cold Wallet, Börse – wo liegt was?
Krypto kann an verschiedenen Orten liegen: auf Handels-Börsen (z. B. Kraken, Coinbase), in Software-Wallets auf dem Smartphone oder in Hardware-Wallets (Cold Storage). Für jeden Aufbewahrungsort gelten andere Regeln, wie Erben Zugriff erhalten. Ein Überblick ist die Grundlage jeder Vorsorge.
So vererben Sie Krypto sicher
- Dokumentieren Sie, welche Coins an welchem Ort liegen – ohne die Schlüssel offen danebenzuschreiben
- Hinterlegen Sie Seed Phrases und Zugänge getrennt und verschlüsselt
- Erklären Sie Ihren Erben verständlich, wie eine Wallet bedient wird
- Nennen Sie eine technisch versierte Vertrauensperson, die im Ernstfall helfen kann
Die Gratwanderung zwischen Sicherheit und Zugänglichkeit
Hier liegt die eigentliche Herausforderung: Schreiben Sie die Schlüssel zu offen auf, riskieren Sie Diebstahl. Verstecken Sie sie zu gut, gehen sie verloren. Die Lösung ist ein gestaffeltes System – Informationen über das Vermögen getrennt von den eigentlichen Zugangsschlüsseln, beide nur im Ernstfall zusammenführbar.
Steuerliche Aspekte nicht vergessen
Geerbte Kryptowährungen unterliegen der Erbschaftssteuer mit ihrem Wert zum Todeszeitpunkt. Spätere Verkäufe können zudem einkommensteuerlich relevant sein. Erben sollten den Bestand deshalb zeitnah dokumentieren und gegebenenfalls steuerlich beraten lassen.
Hardware-Wallets richtig hinterlegen
Hardware-Wallets gelten als sicherste Aufbewahrung für Kryptowährungen, weil die Schlüssel offline auf einem speziellen Gerät gespeichert sind. Doch genau das macht die Vererbung kompliziert: Erben müssen nicht nur das Gerät besitzen, sondern auch die zugehörige PIN und die Wiederherstellungsphrase kennen. Bewahren Sie das Gerät und die Wiederherstellungsphrase getrennt voneinander auf und stellen Sie sicher, dass Ihre Erben im Ernstfall an beide Komponenten gelangen – aber niemand sonst.
Eine verständliche Anleitung hinterlassen
Viele Erben sind technisch nicht mit Kryptowährungen vertraut. Selbst wenn sie Schlüssel und Geräte besitzen, wissen sie oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. Hinterlassen Sie deshalb eine verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wo liegt was, wie wird eine Wallet entsperrt, wie überträgt man die Coins, und an wen kann man sich bei Fragen wenden. Eine gute Anleitung kann den Unterschied machen zwischen zugänglichem Vermögen und einem für immer verlorenen Guthaben.
Steuerliche Aspekte nicht vergessen
Geerbte Kryptowährungen unterliegen der Erbschaftssteuer mit ihrem Wert zum Todeszeitpunkt. Spätere Verkäufe können zudem einkommensteuerlich relevant sein, wenn zwischen Erwerb und Verkauf weniger als ein Jahr liegt. Erben sollten den Bestand deshalb zeitnah dokumentieren, die Werte zum Todestag festhalten und sich gegebenenfalls steuerlich beraten lassen. Die steuerliche Behandlung von Krypto-Vermögen ist komplex und entwickelt sich laufend weiter.
Wo Krypto-Vermögen überall liegen kann
Kryptowährungen können an ganz unterschiedlichen Orten gespeichert sein: auf Handelsbörsen wie Kraken oder Coinbase, in Software-Wallets auf dem Smartphone oder Computer, oder in Hardware-Wallets als sogenanntes Cold Storage. Für jeden dieser Orte gelten andere Regeln, wie Erben Zugriff erhalten. Bei Börsen gibt es teils Nachlassverfahren ähnlich wie bei Banken, bei privaten Wallets zählt allein der Besitz der Schlüssel. Ein vollständiger Überblick über alle Aufbewahrungsorte ist deshalb die Grundlage jeder sinnvollen Vorsorge.
Die Gratwanderung zwischen Sicherheit und Zugänglichkeit
Hier liegt die eigentliche Herausforderung bei Krypto im Nachlass: Schreiben Sie die Schlüssel zu offen auf, riskieren Sie Diebstahl zu Lebzeiten. Verstecken Sie sie zu gut, gehen sie nach dem Tod unwiederbringlich verloren. Die Lösung ist ein gestaffeltes System – Informationen über das Vermögen getrennt von den eigentlichen Zugangsschlüsseln, beide nur im Ernstfall zusammenführbar. Genau dafür eignen sich digitale Tresore mit kontrolliertem Notfallzugang, die beides sicher und getrennt verwahren.
Krypto-Vermögen verlangt mehr Vorsorge als klassisches Geld. Wer hier nicht plant, riskiert, dass sein digitales Vermögen mit ihm verschwindet. Dokumentieren Sie Ihre Bestände und Zugänge strukturiert im Notfalltresor und regeln Sie zugleich mit einer Vorsorgevollmacht online ohne Notar erstellen, wer schon zu Lebzeiten für Sie handeln darf, falls Sie selbst nicht mehr können.
Quellen & weiterführende Links
- BaFin – Krypto-Werte
- Verbraucherzentrale – Kryptowährungen und Erbe
- § 1922 BGB – Gesamtrechtsnachfolge
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.