Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie selbst, wer für Sie handelt, wenn Sie es einmal nicht können. Hier erfahren Sie, wann sie ohne Notar gilt, was drinstehen muss und was sie kostet.
Kann jemand seine Angelegenheiten wegen einer Krankheit oder Behinderung nicht mehr selbst regeln und gibt es keine Vorsorgevollmacht, bestellt das Betreuungsgericht bei Bedarf einen rechtlichen Betreuer (§ 1814 BGB). Bei der Auswahl berücksichtigt das Gericht Ihre Wünsche und Ihre familiären Beziehungen, besonders zum Ehegatten, zu Eltern und Kindern (§ 1816 BGB). Eheleute dürfen einander seit 2023 außerdem in Gesundheitsfragen vertreten – höchstens sechs Monate lang und nicht bei Konto, Behörden oder Wohnung (§ 1358 BGB). Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie selbst, wer für Sie handelt; ein Betreuer ist dann in aller Regel nicht nötig (§ 1814 Abs. 3 BGB).
Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigen Sie eine Person Ihres Vertrauens, in Ihrem Namen zu handeln – für den Fall, dass Sie durch Krankheit, Unfall oder Demenz selbst dazu nicht mehr in der Lage sind. Sie ist in Deutschland nach § 1820 BGB geregelt und ersetzt die staatliche Betreuung durch eine selbst gewählte Vertrauensperson.
Was passiert, wenn Sie eine Vollmacht haben – und was, wenn nicht?
Kein Notar notwendig – in unter 5 Minuten fertig.
Wählen Sie jemanden, dem Sie absolut vertrauen – Ehepartner, Kind, Geschwister oder bester Freund. Benennen Sie zusätzlich eine Ersatzperson für den Fall, dass die erste Person ausfällt.
Bestimmen Sie, welche Bereiche die Vollmacht abdecken soll – Gesundheit, Finanzen, Behörden, Wohnen. Je konkreter Sie formulieren, desto weniger Spielraum für Missverständnisse bleibt im Ernstfall.
Drucken Sie die Vollmacht aus und unterschreiben Sie handschriftlich mit Ort und Datum. Erstellen Sie mindestens zwei Ausfertigungen – eine für die bevollmächtigte Person, eine für Ihre eigene Ablage.
Tragen Sie die Vollmacht im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer ein (online ab 24 €). Betreuungsgerichte können dort nachsehen, ob es eine Vollmacht gibt – seit 2023 auch Ärztinnen und Ärzte, wenn eine dringende Behandlung ansteht.
Ja. Eine Vorsorgevollmacht ist auch ohne Notar wirksam. Unterschreiben Sie sie eigenhändig und geben Sie Ort und Datum an. Für weitreichende Gesundheitsentscheidungen, eine Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen muss sie schriftlich sein und diese Befugnisse ausdrücklich nennen (§ 1820 Abs. 2 BGB).
Wann ist ein Notar sinnvoll? Für Grundstücksgeschäfte braucht das Grundbuchamt eine öffentlich beglaubigte Vollmacht (§ 29 GBO). Die Unterschrift beglaubigt die Betreuungsbehörde für 10 € – diese Beglaubigung wirkt aber nur bis zum Tod – oder ein Notar für 20 bis 70 € zuzüglich Umsatzsteuer. Soll die Vollmacht auch nach dem Tod für Grundstücke gelten oder zu Verbraucherkrediten berechtigen, führt der Weg zum Notar (§ 492 Abs. 4 BGB). Banken arbeiten oft lieber mit ihrem eigenen Vollmachtsformular – fragen Sie dort nach.
Von kostenlos bis teuer – ein ehrlicher Vergleich aller Möglichkeiten.
Nur teilweise. Seit 2023 dürfen Eheleute einander in Gesundheitsfragen vertreten – höchstens sechs Monate und nur, solange sie nicht getrennt leben (§ 1358 BGB). Für Konto, Behörden, die Wohnung und Verträge außerhalb der Behandlung gilt das nicht. Dafür braucht es eine Vorsorgevollmacht.
Falsch. Mit 18 endet die elterliche Sorge – ab dann können auch Eltern nicht mehr automatisch für ihr Kind entscheiden. Eine Vollmacht ist deshalb für jeden Erwachsenen sinnvoll und lässt sich anpassen, solange man geschäftsfähig ist.
Besser jetzt. Eine Vorsorgevollmacht kann nur erteilen, wer geschäftsfähig ist. Wer sie früh erstellt, behält die Wahl in der eigenen Hand – und kann sie ändern, solange er geschäftsfähig ist.
Falsch. Eine Vorsorgevollmacht ist auch ohne Notar wirksam; für weitreichende Gesundheitsentscheidungen muss sie schriftlich sein (§ 1820 Abs. 2 BGB). Für Grundstücksgeschäfte braucht es eine öffentliche Beglaubigung – die bietet auch die Betreuungsbehörde für 10 € an (§ 7 BtOG), allerdings nur mit Wirkung bis zum Tod; darüber hinaus hilft der Notar. Banken arbeiten oft lieber mit ihrem eigenen Vollmachtsformular.
Falsch. Sie können eine Vorsorgevollmacht jederzeit ändern, einschränken oder widerrufen – solange Sie geschäftsfähig sind. Der Widerruf sollte schriftlich erfolgen und der bevollmächtigten Person mitgeteilt werden. Alte Ausfertigungen sollten vernichtet werden.
Falsch. Die Vorsorgevollmacht bestimmt, wer für Sie entscheidet. Die Patientenverfügung legt fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie wünschen oder ablehnen. Beides ist nötig – und beides ist im Notfalltresor enthalten.
Stand: 22. Oktober 2026. Die Angaben auf dieser Seite beruhen auf diesen Quellen:
Amtliches Muster: Das Bundesjustizministerium stellt ein kostenloses Formular für Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung bereit: Formulare beim BMJV. Wer lieber geführt ausfüllt, nutzt den Online-Assistenten.
Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
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